Am 23. September ist Bi Visibility Day. Wer ihn erfand, was die rosa-lila-blaue Flagge meint und wie du beim CSD und im Alltag bisexuelle Menschen sichtbar machst.
Am 23. September zeigen sich auf Social Media rosa-lila-blaue Flaggen, und manche fragen: Wozu ein eigener Tag, wo doch schon der CSD für alle da ist? Die Antwort liegt in einem Problem, das viele Bisexuelle kennen. Sie fallen durchs Raster, weil man ihnen ihre Orientierung nicht ansieht und sie je nach Partner:in als schwul, lesbisch oder hetero gelesen werden. Dieser Text erklärt, woher der Bi Visibility Day kommt, was die Bi-Flagge bedeutet und was du beim CSD und im Alltag tun kannst. Stand: Oktober 2026.
Wofür der Tag da ist
Der Bi Visibility Day, auch Celebrate Bisexuality Day genannt, findet jedes Jahr am 23. September statt. Er wurde 1999 von drei bisexuellen Aktivist:innen ins Leben gerufen: Wendy Curry aus Maine, Michael Page aus Florida und Gigi Raven Wilbur aus Texas. Erstmals begangen wurde er laut den Berichten bei der Konferenz der International Lesbian and Gay Association in Johannesburg.
Warum gerade der 23. September, erzählen die Quellen leicht unterschiedlich. Nach einer Darstellung ist es der Geburtstag von Gigi Raven Wilbur, die die Idee zuerst vorgeschlagen hat. Eine andere Quelle nennt den September als Ehrung für Freddie Mercury, der im September 1946 geboren wurde. Beide Erklärungen widersprechen sich nicht, belegt ist aber nur, dass der Tag auf dieses Datum fällt und aus der Community selbst kam.
Der Name „Bi Visibility Day“ stammt von der britischen Aktivistin Jen Yockney. Er hat sich über Europa hinaus verbreitet.
Warum Sichtbarkeit nötig ist
Bisexualität bedeutet, sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen zu fühlen. Trotzdem begegnet vielen Bisexuellen derselbe Satz: „Du musst dich irgendwann entscheiden.“
Das hat einen Namen: Biphobie. Gemeint sind Vorurteile, die Bisexualität als Phase, als Unentschlossenheit oder als Durchgangsstation zum Schwul- oder Lesbischsein abtun. Bi-Aktivist:innen sprechen auch von Bi-Erasure, dem Unsichtbarmachen bisexueller Menschen. Lebt ein Mensch in einer Beziehung mit dem anderen Geschlecht, gilt er schnell als hetero; ist es das gleiche Geschlecht, als schwul oder lesbisch. Dass beides zur selben Person gehören kann, fällt dabei unter den Tisch.
Michael Page, einer der Gründer des Tages, hat die Bi-Flagge nach eigener Aussage entworfen, nachdem er mit vielen bisexuellen Frauen und Männern gesprochen hatte, die sich mit der Regenbogenflagge nicht verbunden fühlten. Auch das zeigt: Der Wunsch nach eigener Sichtbarkeit kam aus den Menschen selbst.
Vom Szenetermin zum offiziellen Tag
Lange blieb der Tag eine Sache der Community. 2012 erklärte Berkeley in Kalifornien den 23. September als erste Stadt offiziell zum Bi Visibility Day. 2013 lud das Weiße Haus rund 30 bisexuelle Aktivist:innen zu einem Treffen an diesem Tag ein. 2021 erkannte Pennsylvanias Gouverneur Tom Wolf ihn als erster US-Gouverneur offiziell an. Alle drei Beispiele stammen aus den USA.
Die Bi-Flagge
Vorgestellt wurde die Flagge am 5. Dezember 1998 bei der Einjahresfeier des BiCafe. Eine einzelne Quelle nennt stattdessen 1999 in Philadelphia, das ist schlechter belegt. Die Flagge besteht aus drei Streifen: oben ein breites Rosa, unten ein breites Blau, in der Mitte ein schmales Lila.
Page erklärte die Farben so: Rosa steht für die Anziehung zum gleichen Geschlecht, Blau für die zum anderen Geschlecht. Lila entsteht aus der Überlappung beider und steht für die Anziehung zu beiden. Außerdem verschwimmt das Lila in Rosa und Blau, wie Bisexuelle in der schwul-lesbischen wie in der heterosexuellen Welt unauffällig bleiben können. Neuere Texte beschreiben das Lila auch als Anziehung zu allen Geschlechtern, einschließlich nicht-binärer Menschen. Die Deutung variiert also.
Die Farben gehen auf das Symbol der Biangles zurück, das Liz Nania für die bisexuelle Gruppe beim Marsch auf Washington 1987 entworfen hatte: ein rosa und ein blaues Dreieck, die sich zu Lavendel überlappen.
Was du tun kannst
- Nicht nachfragen, wann sich jemand „entscheidet“. Wer sich als bi bezeichnet, hat sich bereits entschieden.
- Nicht von der Beziehung auf die Orientierung schließen. Auch wer gerade mit einem Mann zusammen ist, kann bi sein, und eine Frau mit Freundin ist nicht automatisch lesbisch.
- Beim CSD mitdenken. Bi-Flaggen und Bi-Gruppen gehören zum Bild. Wer einen Stand oder eine Rede plant, kann sie ausdrücklich einladen.
- Zuhören. Sagt jemand, in der Szene nicht gesehen zu werden, stimmt das für diese Person.
Kurz gesagt
Der Bi Visibility Day erinnert daran, dass bisexuelle Menschen zur Community gehören, auch wenn man es ihnen nicht ansieht. Die Flagge mit ihren drei Streifen gibt ihnen ein eigenes Zeichen.
Häufige Fragen
Zuletzt geprüft: 20. Oktober 2026