Oktober 2026
Kaum ein US-Bundesstaat verbindet Pride so unmittelbar mit einer eigenen kulturellen Tradition wie Hawaii. Lange bevor westliche Begriffe wie „queer“ oder „Pride“ auf die Inseln kamen, kannte die hawaiianische Kultur mit den Māhū eine dritte Geschlechterrolle: Menschen, die sowohl männlichen als auch weiblichen Geist in sich vereinten und in vorkolonialer Zeit als Heiler:innen, Lehrende und Hüter:innen der Hula-Tradition hohes Ansehen genossen. Die christliche Kolonisierung drängte dieses Verständnis zurück, doch unter Native Hawaiians erlebt es seit einigen Jahren eine bewusste Wiederbelebung. Der moderne Honolulu Pride wurde vor Jahrzehnten aus kleinen Anfängen heraus gegründet – erste Teilnehmende berichten von offener Anfeindung auf der Straße – und hat sich seither zur größten LGBTQIA+-Feier des Bundesstaats entwickelt. Getragen wird die mehrtägige Veranstaltung von einer Stiftung, die zugleich ein Community-Zentrum in Honolulu betreibt. Im Zentrum steht eine Parade entlang der Kalākaua Avenue in Waikīkī, gefolgt von einem großen Festival mit Bühnenprogramm und zahlreichen Ständen lokaler Organisationen. Auch abseits von Oʻahu ist die Pride-Bewegung präsent: Auf Maui findet ein eigenes Festival mit Marktmeile und Strand-Picknick statt, auf Hawaiʻi Island (Big Island) ziehen Parade und anschließendes Fest durch die Kleinstadt Hilo. Gemeinsam ist allen Veranstaltungen ein Selbstverständnis, das explizit auf Gemeinschaft und gegenseitige Fürsorge setzt statt auf reine Partystimmung – ein Erbe, das sich bis zu den traditionellen Werten der Māhū zurückverfolgen lässt und Hawaiis Pride-Szene eine besondere, in der eigenen Kultur verwurzelte Tiefe verleiht.