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Barcelona 1977: Die erste Pride-Demo Spaniens auf der Rambla

4 Min Lesezeit

Bild: Photo by Miguel Saddi Vitorino on Pexels (Quelle) · Pexels License

Am 26. Juni 1977 zogen mehrere tausend Menschen ohne Genehmigung über die Rambla in Barcelona und forderten das Ende eines Gesetzes, das Homosexualität kriminalisierte. Was damals geschah und was daraus wurde.

Am 26. Juni 1977 gingen in Barcelona mehrere tausend Menschen über die Rambla und forderten das Ende eines Gesetzes, das sie kriminalisierte. Es war die erste Demonstration für die Rechte queerer Menschen in Spanien, nur wenige Tage nach den ersten freien Wahlen seit dem Beginn der Franco-Diktatur. Wer verstehen will, warum Pride in Spanien bis heute politisch ist, beginnt am besten hier.

Die Lage vor 1977

Unter Franco galt Homosexualität als Gefahr für die Gesellschaft. Im Zentrum stand das „Gesetz über gefährliche Zustände und soziale Wiedereingliederung“ (Ley de Peligrosidad y Rehabilitación Social), nach dem Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung inhaftiert werden konnten. Betroffen waren nach den Berichten aus dieser Zeit vor allem schwule Männer sowie trans Personen. Ein Teil der Quellen datiert das Gesetz auf 1970, andere verweisen auf Vorläufer, das sogenannte Vagabundengesetz. Für das Jahr 1977 ist jedenfalls belegt, dass das Gesetz galt und angewendet wurde.

Gleichzeitig hatte sich acht Jahre nach den Stonewall-Aufständen in New York eine Bewegung gebildet. In Katalonien organisierte sich die Front d'Alliberament Gai de Catalunya (FAGC), die Schwule Befreiungsfront Kataloniens. Sie arbeitete noch im Untergrund.

Der Marsch auf der Rambla

Wenige Tage nach der Parlamentswahl vom 15. Juni 1977 rief die FAGC für den 26. Juni zur Demonstration auf, ohne Genehmigung der Behörden. Nach Angaben des Vereins Amics de la Rambla begann der Zug bei den Drassanes, den mittelalterlichen Schiffswerften am unteren Ende der Rambla, und zog die Straße hinauf. Kurz vor dem Canaletes-Brunnen löste die Polizei ihn mit Gewalt auf.

Über die Teilnehmerzahl streiten sich die Berichte bis heute. Genannt werden rund 4.000 und mehr als 5.000. Unterstützung kam aus der Frauenbewegung, aus Nachbarschaftsinitiativen, von Gewerkschaften, Studierenden und Parteien. Auch Heterosexuelle, die sich gegen Franco und Repression stellten, liefen mit.

Zu den Parolen zählten „Wir haben keine Angst, wir sind es“ und „Wir sind nicht gefährlich!“. Die Hauptparole lautete: „Für eine freie Sexualität, Aufhebung des Gesetzes über gefährliche Zustände und soziale Wiedereingliederung“. Dazu kamen eine Amnestie für inhaftierte Aktivisten und die Zulassung der FAGC als legale Organisation.

Was danach passierte

Die Polizei ging hart vor. Drei Demonstrierende wurden durch Gummigeschosse verletzt, ein Mann, Oriol Martí, wurde festgenommen und saß 52 Tage in Haft. Zeitzeugen berichten, dass sich die Gewalt vor allem gegen trans Personen und Transvestiten richtete. Ein Bericht von Catalan News schildert, dass Martí in der Haft geschlagen und sexuell misshandelt worden sein soll; das stützt sich auf eine einzige Quelle und ist deshalb als Hinweis zu lesen, nicht als gesicherte Tatsache.

Der Druck wirkte. 1978 gab es nach Berichten Kundgebungen in Madrid, Bilbao und Sevilla; die genauen Daten nennen die Quellen nicht. Ein Zeitstrahl der Universitat Autònoma de Barcelona führt die Aufhebung des Gesetzes über gefährliche Zustände auf das Jahr 1979 zurück, weil es mit der Demokratie unvereinbar sei. Die Quellen weichen in den Einzelheiten ab, was genau wann wegfiel. Das Muster ist trotzdem klar: Erst kam die Straße, dann das Gesetz.

Spanien ging den Weg weiter. 1998 erkannten katalanische Standesämter als erste im Land Partnerschaften an, anfangs ohne rechtliche Wirkung. 2005 wurde Spanien das dritte Land weltweit, das die Ehe und die Adoption für gleichgeschlechtliche Paare bundesweit öffnete.

Erinnern in Barcelona

Wer die Strecke abgehen will, findet den Ort im Viertel um die Rambla Santa Mònica. Dort steht der Faristol, ein Gedenkpunkt zur Geschichte der Bewegung (08002 Barcelona). Barcelona erinnert außerdem mit einer Informationstafel an der Rambla an die Demonstration.

Warum die Geschichte heute zählt

Wenn du im Sommer auf einem CSD oder Pride läufst, läufst du in einer Tradition, die oft mit genau solchen Märschen begann. Der Unterschied zu Barcelona 1977: Heute ist die Versammlung in Spanien und in Deutschland rechtlich geschützt. Dass das nicht selbstverständlich war, zeigt dieser Marsch. Er erinnert auch daran, wen die Gewalt damals besonders traf: nach Zeugenberichten vor allem trans Personen.

Zum 49. Jahrestag hat Euronews 2026 einen Rückblick auf die erste Demonstration veröffentlicht; er lohnt sich als Einstieg, wenn du tiefer einsteigen willst.

Stand der Angaben: Oktober 2026.

Häufige Fragen

Am 26. Juni 1977 in Barcelona. Die Front d'Alliberament Gai de Catalunya rief ohne Genehmigung zum Marsch über die Rambla auf.
Die Berichte nennen rund 4.000 bis mehr als 5.000 Teilnehmende.
Die Aufhebung des Gesetzes über gefährliche Zustände und soziale Wiedereingliederung, eine Amnestie für inhaftierte Aktivisten und die Legalisierung der FAGC.
Die Polizei löste den Zug auf, drei Menschen wurden durch Gummigeschosse verletzt, einer wurde für 52 Tage inhaftiert. Nach einem Zeitstrahl der UAB wurde das Gesetz 1979 aufgehoben.
Der Faristol an der Rambla Santa Mònica ist ein Gedenkpunkt zur Geschichte der Bewegung.

Quellen

  1. amicsdelarambla.cat · faristol-at-the-first-demonstration-in-favor-of-sexual-liber...
  2. catalannews.com · a-history-of-catalonia-s-lgbt-movement
  3. ddd.uab.cat · Linea_cronologica_LGTBI_2023
  4. elsaltodiario.com · historia-primer-orgullo-de-1977-barcelona
  5. euronews.com · after-49-years-of-struggle-spain-leads-lgbtiq-inclusion-insi...
Pride-Geschichte Barcelona Spanien 1977 FAGC Rambla Franco

Zuletzt geprüft: 23. Oktober 2026

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