Juni 2026
Die Pride-Bewegung in Nepal hat sich in den letzten Jahren zu einem beeindruckenden Symbol für den Kampf um LGBTQ+-Rechte entwickelt. Die Geschichte beginnt mit bahnbrechenden Gerichtsentscheidungen: Bereits 2007 wies das Oberste Gericht die Regierung an, Diskriminierung zu bekämpfen und Gleichberechtigung für queere Menschen zu gewährleisten. Dies führte zur Einführung des 'dritten Geschlechts' in offiziellen Dokumenten wie Pässen und zur Aufnahme von Antidiskriminierungsregeln in der Verfassung von 2015. Ein Meilenstein war 2023 die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe durch ein Urteil des Supreme Court, das erste in Südasien.
Der Nepal Pride Parade, organisiert vom Queer Youth Group und Queer Rights Collective, findet jährlich am zweiten Samstag im Juni statt – seit 2019 als Pride Day etabliert. Die erste Parade am 29. Juni 2019 in Kathmandu versammelte rund 400 Teilnehmer*innen am Maitighar Mandala, die mit Regenbogenfahnen und Slogans in mehreren Sprachen durch die Straßen zogen. Das Motto 'Inklusion queeres Personen in allen Ebenen des Staates' unterstrich den politischen Anspruch. 2022 kehrte die Parade nach zwei virtuellen Jahren physisch zurück, mit Reden in indigenen Sprachen und Gebärdensprachdolmetschung. 2023 fiel sie erstmals nach der Ehelegalisierung und wurde mit dem Gai Jatra-Festival verknüpft, einem traditionellen Fest mit queeren Elementen wie Crossdressing und Satire.
Auch das Gai Jatra, organisiert von der Blue Diamond Society, dient seit Jahren als Plattform für queere Sichtbarkeit. Dieses Fest im August ehrt Verstorbene und erlaubt freie Meinungsäußerung durch Humor und Kostüme. Deutsche Perspektiven schätzen Nepals Fortschritt: Im Vergleich zu konservativen Nachbarländern wirkt das Land progressiv. Reisende aus Deutschland berichten von herzlicher Aufnahme und kultureller Integration queerer Traditionen. Dennoch fordern Aktivist*innen mehr Umsetzung, da Alltagsdiskriminierung anhält. Die Pride-Bewegung verbindet globale Einflüsse mit lokalen Wurzeln und inspiriert Hoffnung auf volle Gleichberechtigung.