Juni 2026
Die Pride-Bewegung in Litauen hat eine bewegte Geschichte, geprägt von Kämpfen um Sichtbarkeit und Rechte in einem Land mit starker katholischer Prägung und konservativen Strömungen. Die erste CSD-Veranstaltung fand 2010 in Vilnius statt, dem sogenannten Baltic Pride, das abwechselnd in den baltischen Hauptstädten Vilnius, Riga und Tallinn organisiert wird. Sie musste vor Gericht erkämpft werden, nachdem die Stadtverwaltung sie verbieten wollte. Nur etwa 350 Teilnehmer versammelten sich in einem abgesperrten Areal abseits des Zentrums, gegenüber Tausenden von Gegendemonstranten, die mit Steinen, Flaschen und Parolen wie 'Tod den Schwulen' angriffen. Die Polizei musste eingreifen, um die Veranstaltung zu schützen.
Seitdem hat sich die Bewegung weiterentwickelt. Der Baltic Pride wird jedes Jahr im Juni abgehalten und zieht zunehmend Teilnehmer an. 2024 demonstrierten Tausende durch Vilnius mit Regenbogenfahnen, unterstützt vom Bürgermeister Remigijus Šimašius, der persönlich vorbeikam. Das Motto 'Vilnius. Proud of Who I Am' unterstreicht die wachsende Akzeptanz in der Hauptstadt. Auch in Kaunas, der zweitgrößten Stadt, gab es 2021 die erste Pride-Parade unter dem Slogan 'Wir sind überall', trotz starker Gegenproteste und Polizeieinsätzen. Diese Veranstaltung zeigte, dass queere Menschen nicht nur in liberalen Kreisen Vilnius' existieren.
Aus deutscher Perspektive ist die Unterstützung spürbar: Der CSD Berlin pflegt eine Partnerschaft mit dem Baltic Pride, und Politiker wie Volker Beck nahmen früh teil. Dennoch bleibt Litauen queerfeindlich: Gesetze verbieten die 'positive Darstellung' von Homosexualität in Schulen, und konservative Politiker wie Petras Gražulis organisieren Gegendemos. Fortschritte wie die progressive Regierung um 2020 wurden durch Covid, Migration und den Ukraine-Krieg zurückgedrängt. Die Pride-Veranstaltungen dienen als Symbol des Widerstands und der Hoffnung auf mehr Gleichberechtigung in einem EU-Land, das hinter westlichen Standards zurückbleibt.
Heute ziehen die CSDs mehrere Tausend Menschen an, doch die Herausforderungen bestehen: Gewaltandrohungen, gesellschaftliche Ablehnung und fehlende Gesetze zu Ehe und Adoption. Die Bewegung wächst dennoch, getragen von Aktivist:innen wie Tomas Davydovas von LGL, die für Toleranz eintreten.