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Asexuell und aromantisch: Was das A in LGBTIQA+ wirklich bedeutet

4 Min Lesezeit

Das A in LGBTIQA+ steht für asexuell, aromantisch und agender – nicht für Ally. Was diese Orientierungen bedeuten, wo sie sich unterscheiden und warum ihre Sichtbarkeit auf dem CSD zählt.

Wenn vom A in LGBTIQA+ die Rede ist, fragen manche: Steht das für Ally? Nein. Das A steht für asexuell, aromantisch und agender. Und die Menschen hinter dem Buchstaben sind deutlich mehr, als viele annehmen.

Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden

Asexualität und Aromantik werden häufig in einem Atemzug genannt, sind aber zwei verschiedene Dinge. Asexuelle Menschen verspüren keine oder wenig sexuelle Anziehung zu anderen. Aromantische Menschen verspüren keine oder wenig romantische Anziehung, verlieben sich also nicht oder kaum. Beides kann zusammen vorkommen, muss es aber nicht. Viele asexuelle Menschen verlieben sich ganz normal, ohne dabei sexuelles Verlangen zu empfinden.

Hinter der Trennung steckt das sogenannte Split Attraction Model. Es unterscheidet zwischen romantischer und sexueller Orientierung. Wer asexuell ist, kann sich trotzdem als hetero-, homo-, bi- oder panromantisch beschreiben. Und wer aromantisch ist, kann jede sexuelle Orientierung haben. Die romantische Orientierung muss nicht zur sexuellen passen.

Kein Zölibat, keine Störung

Asexualität ist keine Entscheidung, wie es das Zölibat wäre, und keine Krankheit. Im DSM-5, dem Diagnosehandbuch der Psychiatrie, gilt die Selbstidentifikation als asexuell ausdrücklich als Ausschlussgrund für die Diagnose einer sexuellen Appetenzstörung. Asexuelle Menschen können Sex haben: aus Neugier, um ein Kind zu bekommen oder um ihrer Partnerin, ihrem Partner nahe zu sein. Was fehlt, ist nicht die Fähigkeit, sondern die Anziehung.

Schätzungen gehen davon aus, dass rund ein Prozent der Menschen asexuell ist. Das ist keine Randnotiz, sondern eine große Gruppe, die lange unsichtbar blieb.

Ein Spektrum, keine Schublade

Asexualität und Aromantik sind Spektren. Manche Menschen bezeichnen sich als demisexuell oder demiromantisch: Sie empfinden Anziehung erst, wenn eine tiefe emotionale Bindung entstanden ist. Andere nennen sich grau-asexuell, weil sie nur selten oder schwach Anziehung verspüren. Der Sammelbegriff für das ganze Feld lautet aspec, vom englischen a-spectrum.

Auch bei Beziehungen gibt es kein Einheitsmodell. Queerplatonische Beziehungen sind enge Verbindungen, die intensiver als Freundschaft sind, aber ohne romantische Komponente. Sie haben für viele aspec-Menschen denselben Stellenwert wie eine Partnerschaft.

Wie die Community sichtbar wurde

Die moderne asexuelle Community entstand in den 1990er-Jahren und wuchs vor allem im Netz. 2001 gründete David Jay das Asexual Visibility and Education Network, kurz AVEN, bis heute die größte Organisation asexueller Menschen. Die asexuelle Flagge stammt von 2010: Schwarz steht für Asexualität, Grau für das Spektrum, Weiß für Sexualität, Lila für Gemeinschaft. Die aromantische Flagge folgte 2014, ihr Grün ist das Gegenstück zum Rot der romantischen Liebe.

Diskriminierung erleben aspec-Menschen vor allem als Unsichtbarkeit und als Nicht-ernst-genommen-Werden. Im Aro Census 2020 berichteten 82 Prozent der Befragten, dass die häufigste Erfahrung war, nicht ernst genommen, ignoriert oder abgewiesen zu werden. Viele hören Sätze wie „Der oder die Richtige kommt schon noch". Asexualität wird dann als Phase, als Trauma oder als medizinisches Problem abgetan.

Was das für den CSD heißt

Für Menschen auf dem aspec-Spektrum kann ein CSD der erste Ort sein, an dem ihre Orientierung einen Namen und eine Community hat. Umso wichtiger, dass die Pride-Bewegung sie mitdenkt und nicht nur das A im Akronym mitführt, sondern auch die Menschen dahinter. Ein guter Anfang ist, nicht nachzuhaken, sondern zu glauben: Wer sagt, er oder sie sei asexuell, weiß das am besten selbst.

In Deutschland gibt es dafür Anlaufstellen: AktivistA (aktivista.net), AktivAro (aromantik.de) und das Queer Lexikon, das viele Begriffe auf Deutsch erklärt. Wer beim CSD eine schwarz-grau-weiß-lila Flagge sieht, sieht asexuelle Menschen. Grün, Weiß, Grau und Schwarz gehört zum aromantischen Spektrum. Beide Gruppen waren schon immer Teil der Community. Sie wären es auch ohne die Flaggen.

Häufige Fragen

Das A steht für asexuell, aromantisch und agender. Es steht nicht für Ally. Verbündete sind wichtig, aber die Buchstaben des Akronyms sind für Menschen reserviert, die selbst zur Community gehören.
Nein. Zölibat ist eine bewusste Entscheidung, keinen Sex zu haben. Asexualität ist eine sexuelle Orientierung: Die Anziehung zu anderen fehlt oder ist gering. Asexuelle Menschen können trotzdem Sex haben, etwa aus Neugier oder um einem Partner nahe zu sein.
Ja. Viele asexuelle Menschen verlieben sich und führen romantische Beziehungen, nur ohne sexuelles Verlangen. Aromantische Menschen leben oft enge Freundschaften oder queerplatonische Beziehungen, die ihnen denselben Stellenwert wie eine Partnerschaft haben.
Es trennt romantische und sexuelle Orientierung voneinander. Ein Mensch kann zum Beispiel asexuell und gleichzeitig homo- oder biromantisch sein. Die romantische Orientierung muss nicht zur sexuellen passen.
Die asexuelle Flagge von 2010 zeigt Schwarz, Grau, Weiß und Lila. Die aromantische Flagge von 2014 zeigt Grün, Hellgrün, Weiß, Grau und Schwarz. Grün ist das Gegenstück zum Rot, das für romantische Liebe steht.
Auf Deutsch erklären das Queer Lexikon (queer-lexikon.net), AktivistA (aktivista.net) und AktivAro (aromantik.de) die Begriffe. International ist AVEN (asexuality.org) die größte Organisation asexueller Menschen.
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Zuletzt geprüft: 4. September 2026

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