Die EuroPride wandert seit 1992 jedes Jahr in eine andere europäische Stadt. Alle Gastgeber von Belgrad bis Amsterdam, Turin und West-Irland im Überblick.
Die EuroPride ist ein wandernder Großevent der queeren Bewegung: Jedes Jahr darf eine andere europäische Stadt das Festival ausrichten, das in seiner Wurzel auf den Christopher Street Day zurückgeht. Vergeben wird der Titel seit 1992 von der European Pride Organisers Association (EPOA), einem Verband europäischer Pride-Organisationen. Die Gastgeberstadt stellt anschließend ein ein- bis zweiwöchiges Programm auf die Beine, dessen Höhepunkt eine große Parade bildet. Drumherum gibt es Konferenzen, kulturelle Veranstaltungen, Partys und Treffen der Community.
Wie wird die EuroPride-Stadt ausgewählt?
Interessierte Städte bewerben sich aktiv um die Ausrichtung. In ihrer Bewerbung legen sie dar, wie ihr Programm aussehen soll, welche Infrastruktur sie mitbringen und wie ernst es ihnen mit dem Einsatz für LGBTQ+-Rechte ist. Über die Gewinnerstadt stimmen dann die EPOA-Mitglieder ab, meist mehrere Jahre im Voraus. Dass die EuroPride immer wieder an Orte in Ländern mit umstrittener Rechtslage geht, ist kein Zufall, sondern politische Absicht: Lokale Bewegungen sollen gestärkt und internationale Aufmerksamkeit erzeugt werden.
EuroPride und WorldPride: ein Sonderfall
Manchmal fallen zwei der größten queeren Festivals der Welt zusammen. Findet die WorldPride in einem europäischen Land statt, übernimmt die Gastgeberstadt nach gängiger Praxis im selben Jahr zusätzlich den EuroPride-Titel. So war es 2012 in London, 2017 in Madrid und 2021 in Kopenhagen. 2026 trifft genau dieser Fall wieder ein: Amsterdam vereint beide Titel unter einem Dach.
Vergangene und kommende EuroPride-Events
- 2022 – Belgrad, Serbien: Eine historische und politisch heikle Wahl. Trotz Widerstand aus der Regierung und massiver Sicherheitsbedenken fand die Parade durch das Stadtzentrum statt. Für die LGBTQ+-Sichtbarkeit auf dem Balkan war das ein starkes Signal.
- 2023 – Valletta, Malta: Der kleine Inselstaat zählt zu den Vorreitern in Sachen queere Gesetzgebung in Europa und richtete eine bunte, betont inklusive Feier aus.
- 2024 – Thessaloniki, Griechenland: Griechenlands zweitgrößte Stadt begrüßte die EuroPride zeitgleich mit der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe im Land.
- 2025 – Lissabon, Portugal: Portugals Hauptstadt war Gastgeberin und unterstrich damit die starke Bilanz des Landes bei LGBTQ+-Rechten.
- 2026 – Amsterdam, Niederlande: In einem besonderen Doppel-Event richtet Amsterdam vom 25. Juli bis 8. August 2026 sowohl WorldPride als auch EuroPride aus. Die Niederlande, das erste Land der Welt, das 2001 die gleichgeschlechtliche Ehe legalisierte, feiern 25 Jahre Ehe für alle. Höhepunkt wird die legendäre Canal Parade am 1. August.
- 2027 – Turin, Italien: Bestätigt für den 18. bis 26. Juni 2027. Italiens Industrie- und Kulturhauptstadt bringt die EuroPride in ein Land, das noch an der vollen LGBTQ+-Gleichstellung arbeitet.
- 2028 – West-Irland: In einer überraschenden Abstimmung setzte sich der Westen Irlands gegen Manchester durch. Ein wegweisendes Event für queere Sichtbarkeit jenseits der großen Metropolen, in ländlichen Regionen.
Was die EuroPride von einem lokalen CSD unterscheidet
Größer ist sie ohnehin. Entscheidender ist aber die Reichweite: Die EuroPride versammelt queere Menschen und Verbündete aus ganz Europa an einem Ort. Wer schon einmal bei den größten CSD-Paraden dabei war, kennt das Gefühl von Masse und Aufbruch, doch die EuroPride hebt es auf eine kontinentale Ebene. Sie spült der Gastgeberstadt Besucherinnen und Besucher in den Hotels, Lokalen und auf den Plätzen, und sie zieht Medien aus aller Welt an.
Für Städte in Ländern mit weniger fortschrittlicher Rechtslage kann die Ausrichtung zum Hebel werden. Öffentliche Debatten kommen in Gang, lokale Organisationen gewinnen an Rückhalt, und es wird sichtbar, dass Pride überall in Europa seinen Platz hat. Ein Festival mit politischem Auftrag also, nicht bloß eine Party.
EuroPride als Reiseziel
Wer das Festival besuchen möchte, plant am besten früh. Hotels in der Gastgeberstadt sind während der Pride-Wochen schnell ausgebucht, gerade rund um die Paradentage. Ein Blick auf queere Reiseziele und Hotspots hilft bei der Vorbereitung, und für die Abende vor Ort lohnt der Überblick über die Party-Städte. Wann und wo die nächsten Termine anstehen, sammelt unser CSD- und Pride-Kalender weltweit – inklusive der EuroPride-Ausgaben der kommenden Jahre.