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Achterbahn fahren, in der Sonne liegen, abends tanzen: In Deutschlands größten Freizeitparks gehört je ein queerer Gay Day fest zum Sommer. Ein Überblick.
Vor zwei Jahrzehnten gab es in Deutschland nur eine Handvoll CSDs, heute ziehen die Paraden durch mehr als 50 Städte. Parallel dazu hat sich das queere Veranstaltungsleben verzweigt, und ein Format ist dabei besonders charmant: der Gay Day im Freizeitpark. In den drei größten deutschen Parks gehört je ein queerer Aktionstag inzwischen fest zum Sommer – mal offiziell mitgetragen, mal von der Community selbst organisiert. Achterbahn fahren, in der Sonne liegen, abends tanzen: Das Konzept ist simpel, und genau das macht den Reiz aus.
FantasyPride im Phantasialand (Brühl bei Köln)
Den Anfang machte 2002 der FantasyPride im Phantasialand – die erste Veranstaltung ihrer Art in Deutschland und Vorbild für alles, was danach kam. Lange lief der Tag als Saisonabschluss im September. Seit 2019 liegt er wieder im Juni, als Hommage an das 50. Jubiläum des Stonewall-Aufstands, der weltweit als Geburtsstunde der modernen Pride-Bewegung gilt. In Köln eröffnet der FantasyPride traditionell die CSD-Saison.
Geboten wird ein bunt gemischtes Programm. Drag-Shows und Comedy auf der Bühne, ein Wet-Shirt-Contest für die Mutigen, dazwischen Musik – und im Anschluss eine große Party, auf der bis tief in die Nacht getanzt wird. Ein Detail, das es so kaum woanders gibt: Eine Achterbahn führt direkt über die Tanzfläche hinweg.
Auf rund 280.000 Quadratmetern empfängt das Phantasialand jährlich fast zwei Millionen Gäste. Geöffnet ist der Park von März bis November, über 500 Mitarbeitende sorgen für den Betrieb. Zu den Hauptattraktionen zählen sechs Achterbahnen, darunter mehrere mit Weltrekord-Charakter, sowie drei Wasserbahnen.
Rosa Tag im Heide Park (Soltau)
Ebenfalls seit über zehn Jahren verankert ist der Rosa Tag im Heide Park. Ursprünglich als Abschlusstag der CSDs im norddeutschen Raum gedacht, liegt sein Termin folgerichtig im September – nach dem Ende der regulären Paradensaison.
Flächenmäßig spielt der Heide Park in einer eigenen Liga: 850.000 Quadratmeter, gut dreimal so viel wie das Phantasialand. Neun Achterbahnen und drei Wasserbahnen verteilen sich über das Gelände. Bei den Besucherzahlen liegt der Park mit rund 1,5 Millionen pro Jahr hinter dem Phantasialand, dafür lässt sich der Tag entspannt ausdehnen: Wer im parkeigenen Hotel oder im angrenzenden Feriendorf mit seinen vielen kleinen Häuschen übernachtet, muss 85 Hektar nicht in wenigen Stunden abhaken.
Praktisch für die Planung: Ein Aktionstag in dieser Größe verlangt frühes Erscheinen, wenn man die beliebtesten Bahnen ohne lange Wartezeiten fahren will. Frühe Anreise und ein loser Plan, in welcher Ecke man startet, machen den Unterschied.
Gay Red Day im Europa-Park (Rust)
Jünger und anders gestrickt ist der Gay Red Day im Europa-Park, entstanden 2016. Er ist keine offizielle Park-Veranstaltung, sondern wird von Fans organisiert. Auch der Termin fällt aus dem Rahmen: nicht zum Saisonende, sondern mitten in der Saison im Juni. Eine Bühne oder ein festes Rahmenprogramm gibt es daher nicht.
Das Ziel ist bewusst schlicht gehalten – möglichst viele Schwule, Lesben und Freund*innen an einem Tag in den Park zu bringen und gemeinsam einen schönen Tag innerhalb der Community zu verbringen. Damit man sich auf dem riesigen Gelände erkennt, reisen die Gäste in roten T-Shirts an. Daher der Name.
Der Europa-Park in Rust ist Deutschlands größter Freizeitpark: über 5,5 Millionen Gäste jährlich, 950.000 Quadratmeter Fläche, mehr als 3.500 Mitarbeitende. Mit 13 Achterbahnen hält er zudem den nationalen Rekord. Regelmäßige Sonderevents wie ein Halloween-Festival oder Pop-Konzerte locken übers Jahr zusätzliches Publikum.
Woher die roten T-Shirts kommen: Disney World
Die Idee mit den roten Shirts ist keine deutsche Erfindung. Sie stammt aus Orlando, Florida. 1991 rief der Einheimische Doug Swallow die queere Community auf, sich am ersten Samstag im Juni gemeinsam in den dortigen Themenparks zu zeigen – rund 3.000 Menschen kamen, alle in Rot, um als "kindred spirits" füreinander sichtbar zu sein. Bis 1995 war die Zahl auf etwa 10.000 gewachsen.
Aus diesem Treffen wurden die Gay Days, die sich heute über mehrere Tage erstrecken. Disney sanktioniert das Event bis heute nicht offiziell und behandelt den Tag intern wie jeden anderen Sommertag – genau wie der Europa-Park beim Gay Red Day. Die Dimensionen lassen die deutschen Parks dennoch winzig wirken: Walt Disney World umfasst rund 15.000 Hektar, beschäftigt etwa 74.000 Menschen und zählt jährlich Dutzende Millionen Besucher.
So planst du deinen Besuch
Ein Gay Day funktioniert anders als ein klassischer CSD-Tag. Statt entlang einer Route zu laufen, bewegt man sich frei durch den Park. Ein paar Punkte erleichtern den Tag:
- Termin prüfen: Die Daten variieren je nach Park und Jahr – mancher Aktionstag liegt im Juni, andere im September. Ein Blick in den aktuellen CSD-Kalender hilft bei der Einordnung in die Saison.
- Dresscode beachten: Beim Gay Red Day und bei den Disney Gay Days gehört das rote T-Shirt dazu. Bei FantasyPride und Rosa Tag ist die Kleidung freier.
- Früh kommen: Gerade in den großen Parks zahlt sich eine frühe Anreise an den beliebten Bahnen aus.
- Übernachtung einplanen: Bei Heide Park und Europa-Park lässt sich der Tag mit einer Hotelnacht zum Kurzurlaub strecken.
Wer den Tag mit weiteren queeren Reisezielen verbinden will, findet auf unseren Gay-Reisezielen & Hotspots Anregungen für Stadt und Umgebung. Und wer abends weiterziehen mag, schaut in die queeren Party-Städte – viele Parks liegen in Reichweite einer lebendigen Szene.
Neben den Freizeitparks haben sich übrigens noch andere queere Formate etabliert. Ein Blick auf die wachsende Zahl der queeren Volksfeste zeigt, wie breit das Spektrum jenseits der klassischen Parade inzwischen ist.