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Gay Games, EuroGames und queere Sportvereine: So sieht das schwul-lesbische Pendant zu Olympia aus – mit Geschichte, aktuellen Gastgeberstädten und der Vereinsbasis vor Ort.
Die Olympischen Spiele kennt jeder. Dass es daneben seit Jahrzehnten ein eigenes internationales Sportfest der queeren Community gibt, wissen deutlich weniger Menschen. Mit Olympia hat es offiziell nichts zu tun, schon wegen des markenrechtlich geschützten Namens. Vom Anspruch her aber kommt es nah heran: Tausende Sportlerinnen und Sportler aus über hundert Ländern, Dutzende Disziplinen, eine Eröffnungsfeier im Stadion. Die Rede ist von den Gay Games und ihren Geschwister-Veranstaltungen.
Die Gay Games – das Original seit 1982
Begründet wurden die Gay Games 1982 in San Francisco vom Zehnkämpfer und Olympioniken Tom Waddell. Seine Idee war bewusst gegen den Leistungsgedanken gebürstet: Teilnehmen darf jede und jeder, unabhängig von Alter, Können oder Identität. Diszipliniert wird nicht aussortiert, sondern eingeladen. Alle vier Jahre findet das Sportfest seither statt, jeweils in einer anderen Stadt und meist im Sommer.
2010 kamen die Spiele erstmals nach Deutschland – nach Köln, wo ohnehin der größte deutsche CSD über die Straßen zieht. Rund 10.000 Aktive traten damals gegeneinander an. Inzwischen reicht das Programm über klassische Wettkämpfe weit hinaus: Neben Leichtathletik, Schwimmen und Mannschaftssport stehen auch kulturelle Wettbewerbe wie Chorgesang oder Tanz auf dem Plan.
Die nächste Ausgabe trägt Valencia aus, vom 27. Juni bis 4. Juli 2026. Es sind die zwölften Gay Games, und sie sind die bislang größte ihrer Art: 39 Sportarten stehen auf dem Programm, erwartet werden rund 15.000 Teilnehmende. Dass die Wahl auf Valencia fiel, war kein Selbstläufer – in der Schlussrunde standen auch München und das mexikanische Guadalajara zur Abstimmung.
Die World Outgames – ein Kapitel mit bitterem Ende
Lange gab es eine zweite Großveranstaltung, die aus einem handfesten Streit entstand. Als Montreal die Ausrichtung der Gay Games 2006 entzogen wurde, zog die kanadische Stadt nicht den Stecker, sondern gründete kurzerhand ein eigenes Format: die World Outgames, organisiert über den Dachverband GLISA. Der Start 2006 war beachtlich, kostete die Veranstalter am Ende aber rund fünf Millionen Dollar.
Kopenhagen 2009 und Antwerpen 2013 folgten. Dann kam Miami Beach 2017 – und mit ihm das Aus. Wenige Stunden vor der geplanten Eröffnung sagten die Organisatoren das Sportprogramm ab, während längst Hunderte angereist waren. Es folgten Vorwürfe über veruntreute Gelder und Ermittlungen; der Markenname galt anschließend als verbrannt. Die World Outgames wurden danach aufgelöst. Heute ist das Original, die Gay Games, wieder das unangefochtene Flaggschiff.
EuroGames – der europäische Treffpunkt
Eine Nummer kleiner, dafür häufiger und gut erreichbar: die EuroGames, getragen von der European Gay & Lesbian Sport Federation (EGLSF). Sie finden in den Jahren statt, in denen keine Gay Games anstehen – 2026 pausieren sie deshalb. Die Größenordnung liegt meist bei mehreren tausend Aktiven aus ganz Europa.
2025 war Lyon Gastgeber. Danach geht es weiter: 2027 lädt Cardiff in Wales ein, 2028 dann Frankfurt am Main – damit kommt das größte europäische LGBTIQ+-Multisportevent zum dritten Mal nach Deutschland. Wer die Stimmung kennt, weiß: Die Wettkämpfe sind das eine, die Partys und das Drumherum am Abend das andere. Häufig sind die EuroGames an ein Pride-Wochenende der gastgebenden Stadt gekoppelt.
Wenn du den Überblick über Termine und Schauplätze behalten willst, hilft unser weltweiter CSD- und Pride-Kalender weiter. Verwandte Großformate beschreiben wir außerdem in eigenen Beiträgen zum EuroPride und zum WorldPride.
Queere Sportvereine – die Basis abseits der Großevents
Die internationalen Spiele sind die Spitze des Eisbergs. Getragen wird der queere Sport von einer breiten Vereinslandschaft. In nahezu jeder größeren und mittelgroßen Stadt gibt es heute Clubs für die queere Zielgruppe – manche nur für Männer, manche nur für Frauen, die meisten gemischt.
Das Spektrum der Sportarten ist groß. Rudern, Tennis, Volleyball, Schwimmen, Laufen. Und Fußball? Spielt eine zentrale Rolle, allen Klischees zum Trotz. Solche Vereine sind oft mehr als ein Trainingsort: Sie sind sicherer Raum, soziales Netz und Anlaufstelle für Neuankömmlinge in einer fremden Stadt zugleich.
Wettkämpfe in Deutschland
Auch hierzulande messen sich queere Teams regelmäßig. Zu den festen Größen zählt der jährliche Düssel-Cup in Düsseldorf, ein Turnier mit langer Tradition und Teilnehmenden aus mehreren Sportarten. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Turniere, Ligaspiele und überregionale Treffen, die über das Jahr verteilt stattfinden.
Für viele ist genau diese Mischung der Reiz: regelmäßiger Sport im vertrauten Verein, dazu die großen Reise-Highlights wie die Gay Games oder die EuroGames. Wer beim Verfolgen der Szene auf dem Laufenden bleiben möchte, findet bei den queeren News regelmäßig Berichte rund um Community-Events und Sport.