Juni 2026
Wer in Louisiana nach Pride-Kultur sucht, landet fast zwangsläufig in New Orleans. Der Rest des Bundesstaats ist politisch konservativ geprägt, offene queere Feierkultur mit Paraden oder CSD-Strukturen ist dort kaum dokumentiert. New Orleans dagegen hat sich über Jahrzehnte einen Ruf als eine der queerfreundlichsten Städte im Süden der USA erarbeitet – eine Stadt, die Kunst, Musik und Kostüme ohnehin liebt und queeres Leben deshalb früher und selbstverständlicher aufgenommen hat als viele puritanischer geprägte Nachbarstädte.
Im Frühsommer zieht die New-Orleans-Pride-Parade durchs French Quarter, begleitet von einem kostenlosen Straßenfest rund um den Armstrong Park. Dazu gehören eigene Programmpunkte für die Schwarze queere Community, Konzerte, Drag-Shows und ein Community-Fest, bei dem sich lokale Gruppen und Besucher:innen begegnen. Der Charakter ist eher basisnah als kommerziell: viel Nachbarschaft, viel Musik, wenig Hochglanz.
Das eigentliche Großereignis der Stadt ist jedoch die Southern Decadence – aus einer kleinen Kostümparty unter Freund:innen entstanden, heute eines der größten wiederkehrenden Events in New Orleans überhaupt. Über mehrere Tage verwandelt sich das French Quarter in eine Bühne aus Straßenpartys, Drag-Wettbewerben und einer ausgelassenen Parade; die Besucherzahl geht in die Zehntausende, die Stimmung ist unverhohlen, laut und stolz. Manche nennen das Event augenzwinkernd den „schwulen Mardi Gras“, weil es dieselbe Lust an Kostüm, Musik und öffentlichem Feiern zeigt, die New Orleans insgesamt prägt.
Was diese Pride-Kultur besonders macht, ist ihre Verwurzelung in der Stadtgeschichte selbst: Traditionsreiche queere Vereine und Bars bestehen hier schon lange, oft länger als anderswo im Land. Für queere Reisende bedeutet das eine Szene, die nicht auf ein Wochenende im Jahr begrenzt ist, sondern das ganze Jahr über spürbar bleibt – konzentriert allerdings fast ausschließlich auf New Orleans selbst.