Juni 2026
Juli 2026
August 2026
In Berlin gehört der Christopher Street Day zu den größten Demonstrationen des Jahres. Vom Kurfürstendamm über den Wittenbergplatz bis zur Siegessäule zieht die Parade, begleitet von Dutzenden Wagen, DJs und mehreren hunderttausend Teilnehmenden. Was als kleine Demonstration begann, ist heute Straßenfest und politischer Protest zugleich. Laut, bunt, mit klarer Haltung.
Die Geschichte reicht weit zurück. Schon in der Zwischenkriegszeit war Schöneberg mit seinem Nollendorfplatz eines der Zentren queeren Lebens in Europa, mit Bars, Verlagen und dem Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld. Berlin zählte zu den ersten Orten in Deutschland, an denen queere Menschen überhaupt öffentlich auf die Straße gingen. An diese Geschichte erinnert die Stadt bis heute – nicht nur mit Gedenktafeln, sondern mit einer lebendigen Szene rund um die Motzstraße.
Neben dem großen CSD im Sommer gibt es kleinere, eigenständige Veranstaltungen in einzelnen Bezirken. Dazu kommt das Lesbisch-Schwule Stadtfest rund um den Nollendorfplatz, das dem CSD vorausgeht und eher familiär und nachbarschaftlich ausfällt. Auch der Internationale Frauentag und der Trans Day of Visibility haben in Berlin eigene, gut besuchte Demonstrationen.
Ganz ohne Streit geht es dabei nicht ab. Diskussionen um kommerzielle Wagen versus politische Forderungen, um Sicherheit für Teilnehmende und um die Sichtbarkeit trans- und interfeindlicher Übergriffe prägen die Debatte Jahr für Jahr neu. Wer zum CSD nach Berlin kommt, erlebt also nicht nur eine Party, sondern eine Stadt, die ihre queere Geschichte aktiv verhandelt.